Ich sah einen Stern, der über einen mächtig langen Flachriemen mit einem Hamsterrad verbunden war. Eines Tages kam ein Hamster dem Rad nahe. Er beschnupperte es von allen Seiten, dann lief er hinein und versetzte das Rad in Drehung. Über den Flachriemen wurde die Bewegung auf den Stern übertragen. Er kam erst langsam in Schwung, man hörte ein behäbiges tiefes Surren. Mit der Zeit wurde das Surren immer höher und ging in ein Sirren über, das schon nach wenigen Jahren nicht mehr vom menschlichen Ohr wahrgenommen werden konnte. Nur die schlappohrigen Hunde liefen noch ein paar Monate mit zugekniffenem Gesichtsausdruck durch die Gegend. Dann hatte der Stern seine volle Drehgeschwindigkeit erreicht und aus dem unhörbaren Sirren wurde Licht. Von jetzt auf gleich leuchtete der Stern heller als alles andere auf der Welt. Heller als die Sonne und strahlender als eine Halogenlampe, die dir ins Gesicht scheint. Der Ur-Ur-Ur-Urenkel des ersten Hamsters, der das Familiengeschäft des Radtretens nun schon in der siebten Generation fortführte, sah das Ziel seines Schaffens in einem mächtigen Gleißen aufgehen und starb zufrieden ins Licht hinein. Der Stern erhellte unsere gesamte Galaxie und wurde zum bedeutendsten Etwas des ganzen Universums. Zwei Stunden später fiel er in sich zusammen und erlosch. Die Welt war nachher nie wieder so groß wie an diesem Tag.
Mittwoch, Dezember 15, 2010
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)

0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen