Samstag, Oktober 30, 2010

Was weißt du schon von Liebe

Und dann hat er gesagt: "Was weißt du schon von Liebe!"
Und dann hab ich gesagt: "Sechzehn!"
"Warum sechzehn?"
"Warum nicht. Eine Antwort ist wie die andere. Hermeneutisches Annähern durch die Brust ins Auge."
"Wenn alles passt, dann kann ich auch Orange sagen."
"Üh nein, eher nicht. Also find ich jetzt."
"Ja was denn? Alles oder nichts?"
"Nein, nicht alles oder nichts. Es gibt da schon Unterschiede."
Falsch verstanden hatte er. Wie sollte ich das erklären? Nächster Versuch:
"Tag am See."
"Was für ein Spiel wird das jetzt? Definieren geht anders."
"Definieren geht blöd. Was weißt du schon. Hm, anders: Counter-Strike: Source."
Ja, das hab ich wirklich gesagt, obwohl man das eigentlich nur missverstehen konnte. So auch seine Reaktion:
"Jetzt dacht ich fast, ich hätt's gerafft. Und dann so was. Ego-Shooter und Liebe? Liebst du Ego-Shooter?"
"Nein. Spiel ich eigentlich nie."
"Ja, was soll das denn dann?"
"Hmpf. Logikfetischist, beschränkter!"
"Bitte wie? Jetzt is aber..."
Er wurde ungehalten. Ich hab's noch einmal versucht: "Day of the Tentacle."
Er runzelte wieder die Stirn.
"Tag des Tentakels. Jo, hab ich früher auch gespielt. War auch cool. Aber waren wir nicht bei Liebe?"
"Ja."
"Und?"
"Hermeneutik. Lass diesen ganzen Frage und Antwort-Quatsch mal weg und sag mir, was du von Liebe weisst."
"Sie ist eine körperlich und/oder seelisch starke Zuneigung, die..."
"Nein! Nicht so! Nicht als Antwort. Nicht als...verstehst du das wirklich nicht?" fragte ich, jetzt meinerseits ungehalten.
"Ja, nee sorry, du fragst, ich antworte, du lässt mich nicht ausreden. Was soll ich da verstehen?"
"Denk nach. Oder besser, denk nicht nach. Fühle. Assoziiere. Mach was anderes halt. Gott, das kann doch nicht so schwer sein. Hier nochmal: Premiere Konferenz-Schaltung."
"Ääh, ich geb auf."
"Kanu."
"Kanu. Jaja. Nein. Zu hoch für mich. Viel zu. Hm. Vielleicht: Kaffee?"
Jetzt versuchte er's wirklich. Ich war mir aber noch nicht sicher, ob er wirklich verstanden hat.
"Vielleicht Kaffee. Bist du dir sicher?"
"Nein ähm nicht. Aber... Säulengang!"
"Säulengang?"
Ich war immer noch skeptisch. Da lief ein lächelndes Begreifen über sein Gesicht.
"Säulengang! Ich bin mir ganz sicher. Ist es das was du meinst?" rief er begeistert.
"Also meins ist das nicht. Aber es sieht so aus als wär es deins. Sag noch was!"
"Luftmatratze."
"Ich glaub du hast's!"
"Karstadt! Diddl-Maus!"
"Haha, ürgh. Aber ja, das isses! Schlossbank."
"Langweiliger Nachmittag!"
"Fahrrad."
"Titten!"
"Lachanfall."
So ging das noch bis zum Abend weiter.