Von wegen ich schnarche. Ich schnarche den ganzen Tag über nicht. Nicht mal laut. Also was soll dieser ganze Scheiß. Das, was nachts so rumrattert, ist Bob. Bob ist ein kleiner Bereich meines Unterbewusstseins, der während ich schlafe ein vollkommen sinnfreies Eigenleben führt. Er schlängelt sich die vielen Windungen meines Gehirns entlang und imitiert einen veralteten italienischen Traktor. Nach einigen Stunden hat er in seiner Scheinwelt die gesamte Feldfläche eines ostdeutschen Kombinats in den 70ern durchpflügt. Dann ist er so müde und kaputt, dass er den ganzen Tag durchschläft, so dass ich ihn gar nicht wahrnehme. Entdeckt habe ich ihn erst gestern Nacht, als ich gegen vier Uhr aufgewacht und wegen ordentlichen Blasendrucks ins Bad getigert bin. Bei einem Blick in den Spiegel sah ich ihn hinter meinem Frontallappen mit wildem Grinsen seine Runden drehen. Oh Gott, dachte ich und schlief schnell auf dem großen Teppich im Bad weiter. So konnte ich mir den Anblick vielleicht am nächsten Tag als Albtraum beim Schlafwandeln erklären. Leider ist es anders gekommen. Vielleicht kommt jetzt nach der Verdrängung das Akzeptieren. Dann werd ich irgendwann mit Bob im Reinen sein und ihn all den armen Menschen vorstellen, die je eine Nacht im selben Zimmer wie ich verbringen mussten.
Dienstag, Juli 27, 2010
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