Im Reifen ist ein kleiner Kobold. Wenn das Auto parkt, schläft er. Fährt es los, dann wacht er auf und beklagt lautstark sein armes Leben. Seine Stimme wird ganz kratzig und weinerlich, wenn er losheult.
"Da will ich nur kurz so einem dahergelaufenen Kfz-Mechaniker helfen und halte seinen Reifen kurz fest, bevor er die Felge holt und eh ich weiß was passiert, werd ich gequetscht und kann mich nicht mehr bewegen, häng hier im Reifen fest seit Monaten schon und krieg nix zu essen, nix zu trinken und die Bewegung ist ungleichmäßig. Die Arme müsst ich mal wieder ausstrecken oder die Beine austreten, aber nein, ich häng hier wie ein Paket und es geht immer nur schwuppschwuppschwuppschwupp, einmal morgens, einmal nachmittags und manchmal am Wochenende. Völlig kirre werd ich im Kopf, mit Sicherheit die eine oder andere Gehirnerschütterung, jeden Tag. Was hab ich nur verbrochen, dass ich so behandelt werde? Warum hört mich keiner, warum tut keiner was? Die Kleinen hängt man und die Großen lässt man laufen. Ungerecht, die ganze Welt, ungerecht, dammt noch mal."
Weil das Rad sich so schnell dreht, hört man nur schwuppschwurzschwuppschweffzetschwuppschwurzfschwuppschwenschschwuppschwupp-schwiegschwuppschwinkschwuppschwupp und denkt an ein Problem mit dem Motor. Sobald das Auto anhält, ist der Kobold still. Sonst könnte man ihn ja rausholen. Dann hätte er gar nichts mehr.
Montag, Mai 10, 2010
Nörgelreif
Eingestellt von Tino Lingenberg um 22:41
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