Ich wusste von Anfang an, dass das ein ganz besonderer Tag wird. Nach dem Abendessen mit den Jungs ging ich noch eine Weile in den Garten. Entweder das Essen war schlecht oder ich hatte eine böse Vorahnung, aber mir ging es nicht besonders gut. Ich nahm drei der Anderen mit und ging ein wenig spazieren. Mein Magen machte Geräusche wie ein defekter Motor. Es fühlte sich an, als wüchse da ein ordentliches Geschwür heran. Steini war das egal. Der träumte nur vor sich hin. Er wusste ja nicht was kommt. Ich musste viel drüber nachdenken. Ärger lag in der Luft. Ich hatte mich zu weit aus dem Fenster gelehnt. Der Ortsvorsteher hatte es mir sehr übel genommen, dass ich ihn als Heuchler bezeichnet hatte. Weil ich damit nämlich genau ins Schwarze getroffen hatte. Alle sollen den Gürtel enger schnallen wegen der angespannten Finanzlage und er macht ganz dreist seinen Pilotenschein und kauft sich ein Ferienhaus in Spanien. Arschloch. Und er war lange nicht der einzige, mit dem ich mich angelegt hatte. Hinter meinem Rücken redeten sie doch alle schon über mich. Und heute sollte es zur offenen Konfrontation kommen. Die Gedanken zerrten an meinen Nerven. Als wir weiter durch den Garten schlenderten, kam der Verräter Iko mit seinem Schlägertrupp. Eben noch hatte er mit uns zusammen am Tisch gesessen, jetzt ging er an der Seite dieses Arschlochs. Eine ganze Horde war um ihn versammelt. Dann standen wir ihnen gegenüber, zu viert. Es waren mindestens zwanzig. Iko stand nun vor mir und wollte mir die Hand geben.
"Hey Chef, schön dich zu sehen!"
"Freundchen, Freundchen! du kannst mir echt noch in die Augen schauen?"
Kaum hatte ich das gesagt, da traten zwei Gorillas aus der Gruppe vor und packten mich blitzschnell an den Armen wie einen Verbrecher. Während ich nur zurückzuckte, reagierte Steini sofort und sprang dem Riesen an den Hals. Der taumelte zurück, als Steini ihm ins Ohr biss, und lockerte seinen Griff um meinen Arm. Ich nutzte die Gelegenheit, ballte die freigewordene Hand zur Faust und rammte sie dem anderen Gorilla mit voller Wucht in den Bauch. Jo und Jakob verstanden das Signal und nutzten den Überraschungsmoment, um gleich vier der Angreifer auf den Boden zu befördern. Durch die Menschenansammlung angelockt, stürmte jetzt auch der Rest meiner Jungs zu unserer Hilfe heran. Nach nur wenigen Minuten hatten wir die Oberhand gewonnen und den demoralisierten Haufen vor uns in die Flucht getrieben. Steini lief ihnen, übereifrig wie immer, hinterher und schrie den Unterlegenen die obszönsten Flüche nach. Bald hatte auch er genug und kam zurück zu uns. Wir hatten die Schlacht gewonnen. Ich ließ mein ganzes Adrenalin mit einem lauten Siegesschrei heraus. Alle stimmten mit ein. Nach diesem Tag hatte der ganze Ort Respekt vor uns. Keiner kam mir mehr blöd. Schließlich wurde ich selbst Ortsvorsteher und genoß großes Ansehen.
Nur weil ich das Beste aus mir gemacht habe, kann ich auch jetzt hier mit euch zusammen grillen und mich an der warmen spanischen Sonne freuen, Kinder. Lasst euch das ein Vorbild sein. Ich bin der glücklichste Mann der Welt.
Nur das Magengeschwür, das hat mich seit damals nicht mehr verlassen.
Freitag, April 02, 2010
Osterkeile
Eingestellt von Tino Lingenberg um 17:54
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)

1 Kommentare:
Herrlich! Vor allem "Steini" gefällt mir :D
Kommentar veröffentlichen