Dienstag, März 16, 2010

Ist da denn nur Gerechtigkeit

Vater Eins Zwei Vater Drei Vier Was Ist Was Soll Warum So Fünf Und Nicht Blutlos Sechs Sieben Wie Hätte Er Es Acht Anders Machen Neun Können Wenn Es Nicht So Verdammt Zehn unlogisch, wenn es nur nicht so verdammt unlogisch wäre. Bis zehn zählen und tief durchatmen vertreibt vielleicht den Ärger, aber nicht das Unverständnis. Warum hätte er dich denn mit Blut zufrieden stellen sollen, Vater? Blut um deine Rache zu stillen. Um die Gerechtigkeit aufrecht zu erhalten. Aber aus Liebe nimmst du die Strafe auf dich selbst. So weit, so gut. Aber was soll das? Was für ein Konzept. Ehrlich. Zur Verdeutlichung von selbstloser Liebe mag es was taugen. Aber was tut es meiner Vorstellung von Gerechtigkeit an? Wenn jeder Buchstabe des Gesetzes noch gelten soll, und uns nur nichts mehr anhaben kann, weil du stellvertretend gestorben bist. Dann kann ich dich nicht allumfassend und souverän denken. Denn dann kann Leben nur in deiner Liebe bestehen. Außerhalb davon nicht. Blut. Für jeden. Tod für alle. Weil keiner vor dir gerecht sein kann.
Dann wäre deine Gerechtigkeit, wohlgemerkt deine Gerechtigkeit - denn du bist der alleinige Schöpfer - unbarmherzige, maßlose und ergebnisorientierte Rechthaberei. Denn es ist deine Welt, es ist dein Mensch, es ist deine Schöpfung. Hast den Menschen mit Verstand ausgestattet, ihn aber fehlbar und als kleines Puzzleteil konzipiert. Der, der so begrenzt ist, hat mit einer eigenmächtigen Entscheidung, einer Grenzüberschreitung sein Leben verwirkt? Bestraft, mit dem Tod, für eine Abart der ihm eingepflanzten Neugier, dem Drang, sein Wissen zu erweitern, Grenzen auszutesten, auch mal zu weit zu gehen. Quid pro quo? Tat - Strafe. Sprich: endliche Tat, ewige Strafe.
Ist also deine Liebe nur ein juristisch logischer Trick, um dich selbst, die Welt die du geschaffen hast, zu überlisten - und ist die Gerechtigkeit, die mir jede Gnade auszuschließen scheint, wie der unbarmherzige Paragraphenreiter und blutige Vollstrecker, dein wahres Wesen? Vater, wie soll ich dann Vater zu dir sagen? Mich bei dir geborgen fühlen, wenn ich hinter allen Erweisen deiner Liebe immer den hässlichen Grund deines Innersten vermute.
Soll da denn wirklich keine Gnade in der Gerechtigkeit sein? Ist der Richter, der dem Angeklagten zehn Jahre Haft aufbrummt gerechter als der, der sieben Jahre verhängt?
Wie soll...sag halt was. Nein ehrlich, was soll das? Wie soll ich dich sehen, Vater?