Donnerstag, Februar 15, 2007

Marjoe Gortner - Wunderkind, Erweckungsprediger, Atheist

Eine beinahe vergessene Geschichte - Marjoe Gortner wird 1948 im Alter von 4 Jahren zum "jüngsten Prediger der Welt" geweiht. Er hält eine Traupredigt vor einer Filmkamera in den Paramount-Studios und verbringt die nächsten zwölf Jahre damit, auf pfingstlerischen Erweckungsveranstaltungen zu predigen. Als er 16 Jahre alt ist, setzte sich sein Vater mit seinen Einnahmen aus den Auftritten dieses predigenden "Wunderkindes" ab. Nach Marjoes Angaben ganze 3 Millionen Dollar. Desillusioniert verlässt daraufhin Marjoe seine Mutter und lebt einige Jahre lang unter Hippies in San Francisco. Mit Anfang zwanzig beschließt er in Geldnot, seine alten Fähigkeiten wieder aufleben zu lassen. Er kehrt in die christlich-charismatische Szene zurück und verdient erneut so viel Geld bei Evangelisationsveranstaltungen in Amerikas Bible-Belt, dass er 6 Monate im Jahr von den Einnahmen leben kann - zurück in Kalifornien bei seinen Hippie-Freunden. Ende der 60er fasst Marjoe den Beschluss, sein Doppelleben zu beenden. 1971 macht er eine letzte Tour durch die Südstaaten, diesmal jedoch begleitet von einer Filmcrew, die offiziell einen Film über die Jesus People-Bewegung drehen soll. Das wahre Herzstück des Films sind allerdings die Interviews, die Marjoe nach den evangelistischen Veranstaltungen im Hotelzimmer gibt. In diesen Interviews deckt er seine Taktiken auf, die Leute zu überzeugen und Geld von ihnen zu bekommen. Er entlarvt sich als eine Art Entertainer, der den Leuten für Geld genau das gibt, was sie wollen. Marjoe selbst hat nach eigenen Angaben nie in seinem Leben an Gott geglaubt.
Der Film "Marjoe" gewinnt im Jahr 1972 den Oscar für den besten Dokumentarfilm. Aus Angst vor den Reaktionen der Leute wird er allerdings nur in den Nordstaaten in den Kinos ausgestrahlt.
Marjoe Gortner startet danach eine mittelmäßige Schauspielerkarriere und geht 1995 in den Ruhestand.
Der Dokumentarfilm wird 2006 von der Regisseurin Sarah Kernochan neu aufgelegt und auf DVD veröffentlicht.

Was diese Biographie so beeindruckend macht, sind die unglaublich profanen Mechanismen, die diesem "Wunder Gottes" zugrunde liegen. Wo liegt der Unterschied zwischen Marjoe und anderen Kindern, die von ihren Eltern zu Kinderstars dressiert werden? Und worin unterscheidet sich Marjoe von einem Rockstar, dem die Frauen zu Füßen liegen? Die Sprache und die Umgebung ist vielleicht eine vollkommen andere, aber die psychologischen Prinzipien und Mechanismen ähneln sich sehr. (zum Weiterlesen: "Evangelism as Entertainment" - Christian Century)

Hier sind ein paar Ausschnitte aus dem Dokumentarfilm "Marjoe":
1. Das predigende Wunderkind


2. Der Erweckungsprediger bei der Arbeit


3. Marjoes "Tricks"

4. Überblick über den Film

2 Kommentare:

bodenpersonal hat gesagt…

hochinteressant. danke für den beitrag.

Martin.D[x]D.nitraM hat gesagt…

Danke für den Post! Bin über "Marjoe" gegoogel bei Dir gelandet!
Auf das Thema kam ich, als ich letzte Woche mir zum Xten mal den Doco über Lonnie Frisbee angesehen hab. Dort wird ein Ausschnitt aus dem Film gezeigt.
Ich meine die Infos von Dir mit den Jahresangaben stimmen nicht ganz, was man so im Netz findet.
Aber egal, ich werde auch was dazu schreiben wollen, weil es mich echt berührt hat. Und es zeigt, wie gut man ohne wirklich an Jesus zu glauben, in Gottesdiensten Massen manipulieren kann, nur mit Psychotricks.