Freitag, Dezember 22, 2006

Gott wird Mensch

Mich beschäftigt die Frage, ob mein Leben Jesus widerspiegelt. Und bei der Bestandsaufnahme versuch ich, ehrlich zu mir selbst zu sein. Das ist eine sehr harte Form von Ehrlichkeit. Oft genug blende ich sie aus, weil mich so manches Defizit, das ich noch habe, überfordern würde, wenn es mir vollkommen bewusst wäre.
Genauso wie ich manches Fast Food nicht essen würde, wenn ich wüsste, was alles drin ist. Oder wie ich manchen Vertrauensschritt nicht wagen würde, wenn mir alle Abgründe der Menschen um mich herum bekannt wären.

Zum Glück ist Gott nicht wie ein Mensch, der uns einen reinwürgen will. Er fragt nicht, wie oft wir heute gebetet haben, wie häufig der Name Jesus auf unserer Homepage steht, wie unähnlich wir noch seinem Wesen sind. Er schaut sich nicht die Scherben meines Lebens an, nur um sie zu katalogisieren. Wenn er sich meine Scherben vornimmt, dann, um sie wieder zusammenzufügen. Wenn er etwas von mir verlangt, dann nur um mich dadurch zu beschenken. Und er ist geduldig, weil er weiß, wie unfähig wir sind, seine Geschenke anzunehmen. Er gibt immer mehr als wir je geben können und wollen. Aber er prahlt nicht mit seiner Erhabenheit, bis wir vor Scham im Boden versinken. Sondern er wird unser Diener und unterwirft sich denselben Grenzen wie wir Menschen, er wird selbst Mensch. Dadurch zeigt er, wie ernst er unsere Schwächen nimmt. Wir sollen ihn nicht in möglichst großen Superlativen anbeten, in übermenschlichen Taten oder unmenschlicher Askese. Dafür aber umso mehr in Geist und Wahrheit.

Er fragt: "Liebst du mich?" und ich kann nur kleinlaut sagen: "Ich hab dich lieb". Und selbst wenn ich nur ein "Ich mag dich" hervorbringen könnte, das aber direkt aus meinem Herzen käme, dann wären die Worte gewichtiger als das höchste Loblied, das nicht aus innerer Wahrhaftigkeit gesprochen wird.

Donnerstag, Dezember 14, 2006