Ich will dich
Nicht
Sagt mein Desinteresse
Das keines ist.
Nenn's doch gleich Twitter-Lyrik
Montag, Juni 22, 2009
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Dienstag, Juni 02, 2009
Morgen ist nur hypothetisch
Ein unangenehmer Gedanke, schon ins Bett zu gehen. Warum soll ich dafür sorgen, dass der Morgen länger wird? Der Abend ist doch viel schöner. Aber wenn ich Heute zu lang mache, verliert Morgen die Energie. Also werd ich ins Bett gehn für den Typ, der mein Morgen lebt. Ich hoffe, du dankst es mir. Hau rein!
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Montag, Juni 01, 2009
Wochenende
Ja, so müssen Wochenenden wohl sein. Ins Einkaufszentrum geh ich nur noch, um Legosteine aufeinander zu stapeln. Auf den Tischen tanzend gewwe mir alles, bis der ganze Kopf im Brunnen hängt.
Einmal umgeschaut: kein Kater in Sicht, deswegen ab auf's Fahrrad und eine Runde gedreht. Besser ist nur noch Eisessen mit guten Freunden. Und nachdem sich dann noch ein kleiner Russe angekündigt hat, freut sich das nun beinah unschlagbar gewordene Wochenende auf eine würdige Verlängerung.
Da schau ich doch mal im Studio vorbei und kombiniere Töne. Und weil sich zuhause das Klavier so auf mich freut, sing ich ihm ein Ständchen. Wenn der letzte Adler fliegt...
Auf in den Alltag.
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Donnerstag, März 19, 2009
Man of the World
Manche Lieder faszinieren mich schon beim ersten Hören. Einige davon verlieren nach einiger Zeit ihren Reiz wieder. Doch andere wachsen mit mir.
Es dürften mittlerweile zehn Jahre ins Land gegangen sein, seit ich zum ersten Mal "Man of the World" von Fleetwood Mac auf einer frisch gekauften Compilation CD entdeckt habe. Der Mann hinter dem Song ist Peter Green. Eine leise Bluesgitarre spielt die charakteristische Melodie und schon hat sich das Lied mit meinem Leben verbunden. Ich spare uns eine ausführliche Analyse. Das Lied ist recht kurz und nicht besonders überladen. Ich weiß nicht genau, warum es mich so anspricht. In der langen Zeit habe ich es immer noch nicht herausgefunden. Eigentlich ist es kurz, eingängig, vielleicht sogar gewöhnlich. Und doch ist es groß. Eigentlich...Das Wort "eigentlich" beschreibt das Lied wohl am besten. Schauen wir uns eine Strophe an:
Eigentlich...
"I guess I've got everything I need,
I wouldn't ask for more.
And there's noone I'd rather be,"
Und doch...
"I just wish that I'd never been born"
Eigentlich geht es um einen erfolgreichen Mann von Welt. Und doch ist das Lied klein. Und der Mann ist traurig. Er will uns mit einem Schwank aus seiner Jugend unterhalten...wie oft er geweint hat. Und nicht mehr traurig sein wollte.
"And how I wish I was in love"
Fertig.
Das war's schon? Ging schnell. Und ist auch nicht viel passiert. Eigentlich.
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Dienstag, März 17, 2009
Sie nannten ihn April
Sie nannten ihn April, denn er wusste nicht, was er wollte. Manchmal kam er auch zwei Wochen zu früh. Er hatte einen erfrischenden Charakter. Wo er hinkam, blühten alle auf. Gerade die Kleinsten, die immer unscheinbar und ängstlich waren, kamen als erste hervor und präsentierten sich in schillernden Farben und Formen. Manche waren auch etwas zu gutgläubig und lernten seine bittere Seite kennen. Über Nacht konnte er vom schönsten Strahlen zur eisigen Fratze erstarren und das eben erwachte Leben mit kaltem Frost überziehen. Aber diese Zeiten hielten nie lange. Immer behielt am Ende das Strahlen die Oberhand. Klein und groß wurden immer offener und wuchsen dem Licht entgegen. Einige Zeit später erwachten auch die Altehrwürdigen. Sie konnten sich kaum bewegen und waren schon von dicken Falten und Furchen übersät, doch wenn er sie mit seiner Wärme beschenkte, zeigte sich ihre ganze Weisheit und ihre Erfahrung in neuem Glanz, in prächtigen, zahllosen kleinen Blüten, die sich zu großen Monumenten zusammenfügten und von frischem Wind erfasst alles Geschaffene mit ihrer Vitalität noch überragten.
Er fegte die Trauer über das lange Vergangene beiseite und überzeugte uns von einem Neuanfang. Er ließ uns nach vorne blicken. So unbeständig und wechselhaft er auch war, er brachte neues Leben.
Und auch wenn er seine Mission schon unzählige Male erfüllt hatte, er wurde nie müde, immer wieder von vorn zu beginnen und alle Welt mit seinem Lebenswillen wieder neu anzustecken. Wir wurden älter, wurden müde, doch er kam jedesmal zurück, als wäre er gerade erst neu geboren, hauchte Leben auch unter unsere von den Jahren verbrauchte Haut und rief uns in den Kreislauf hinein, aus dem wir schon so oft herausgefallen waren.
Sie nannten es Werden und Vergehen. Doch das Werden hört nie auf.
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Samstag, März 14, 2009
Review
Du bist in einer Turnhalle und nacheinander spielen fünf Bands auf einer provisorisch zusammengezimmerten Bühne. Jede Band spielt "All the small things", keine "It's a fine line between Pleasure and Pain".
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Sonntag, März 01, 2009
Wie Lots Frau
Ich weiß nicht warum, aber ich stehe an einer Bucht. Meine Füße sind im Wasser, halb im Sand versunken. Zu meiner Linken ragt neben dem Sandstrand eine zerfurchte Felslandschaft in das Meer hinaus. Jetzt erst sehe ich, dass um mich herum große Aufregung herrscht. Leute sind verwirrt, zeigen in Richtung offenes Meer. Ich meine ein paar Umweltschutzaktivisten zu erkennen, Greenpeace oder ähnliches.
"Er ist gestrandet. Wir müssen ihn ins Meer zurückbringen, sonst stirbt er früher oder später."
Noch bevor ich sehe, wohin die Aufmerksamkeit der Leute drängt, weiß ich, dass sich um einen Wal handeln muss. Ich schaue aufs Meer und erblicke tatsächlich ein großes Tier, das unbeweglich wie gestrandet im Wasser liegt. Eine entfernte Vorstellung eines Wals überkommt mich, aber ich kann sie nicht genau auf dieses Tier anwenden. Aber es muss einer sein. Schließlich ist Greenpeace da. Ich schleudere dem nächstbesten Aktivisten meine Frage entgegen.
"Welche Walart ist das?"
"Ein Schleitzwal. Cetacea deceptionis. Oh mein Gott, er ist so selten. Wir müssen ihn retten."
Das klingt überzeugend. Wissenschaftlich. Wie kann ich nur helfen, den seltenen Wal zu befreien?
Während ich noch überlege, geschieht etwas unerwartetes. Der Wal dreht sich langsam um. Wie ein Sekundenzeiger. Ruckartig. Bald blickt sein Gesicht in Richtung offenes Meer. Er schwimmt ein Stückchen vorwärts, verschwindet schon bald im Wasser, bis auf den - Kopf. Aber es ist ein Wal. Warum denke ich an Kopf? Ein Wal hat...die Kreatur dreht sich wieder um, schwimmt auf den Strand zu. Gerade hatten alle mit Jauchzen in irgendeine irische Walrettungshymne eingestimmt, da herrscht plötzlich völlige Stille. Der Körper des...Wales hebt sich aus dem Wasser heraus. Er wird von Beinen getragen. Aber - mein Bild lässt sich nicht mehr aufrecht erhalten. Zum ersten Mal sehe ich das Tier ohne Klassifizierung. Es ist - mir fällt nichts ein, ich laufe einfach nur weg. Zur Steilküste. Ich suche eine Höhle. Ich will mich nur noch verstecken. Hinter mir höre ich noch einen verzweifelten Schrei.
"Es ist ein..."
Der Schrei weicht dem Klang zersplitternder Knochen. Ich laufe noch schneller. Ich höre nichts mehr, doch ich spüre etwas. Angst.
Mit letzter Kraft erreiche ich die zerklüftete Felswand. Ungefähr zwei Meter muss ich nach oben klettern. Eine einmalige Höhlenlandschaft liegt vor mir. Weit oben thront eine Kuppel, getragen von säulenartigen Steinformationen. Eine Basilika. Hinter mir spüre ich verdichtete Nähe eines Schreckens, deswegen springe ich hinter die nächste Säule und drücke meinen Rücken ganz fest dagegen. Umdrehen werde ich mich garantiert nicht. Ich muss ganz ruhig bleiben. Aber ich atme laut. Mein Herz pumpt. Ich muss doch leise sein. In meinen Gedanken presse ich meine Lunge und mein Herz zusammen. Die müssen doch Ruhe geben. Höchste Anspannung. Habe ich etwas gehört? Etwas gespürt? Direkt hinter der Säule?
Meine Seele kämpft noch mehrere Minuten mit meinen überforderten Körperfunktionen, dann stellt sich eine Starre ein. Die Anspannung hat die Herrschaft über den Körper übernommen. Immer noch höre ich mein Herz schlagen und meinen Atem ein- und ausströmen. Aber es hat sich alles nach innen verlagert. Nach außen bin ich erstarrt wie die Säule hinter mir. Die Zeit vergeht. Die Spannung weicht nicht.
Auch nach einer Stunde hält mich die Angst noch an meinem Platz. Alles draußen scheint sich wieder beruhigt zu haben. Die Sonne scheint, das Meer rauscht, schon lange sind alle Schreie wie weggeweht.
Und doch bleibt das Gefühl, dass Es genau hinter mir steht. Dass es da still wartet. Es ist geduldiger als jedes andere Raubtier auf der Welt. Und doch weiß ich, dass kein Tier sechs Stunden lang nur auf ein einziges Opfer lauert. Unmöglich. Nicht mal dieses...dieses.
Noch immer erlaube ich mir nicht, mich umzudrehen. Als Lots Frau sich auf der Flucht aus Sodom umdrehte, erstarrte sie zur Salzsäule. Ich bin schon eine und erwarte deswegen weitaus schlimmeres. Eine weitere Stunde stehe ich wie angewurzelt. Mein Rücken ist völlig durchnässt von der feuchten Felsformation. Ich zittere, aber ich zittere innerlich.
Immer noch halte ich durch. Auch sechs Stunden nach der Flucht stehe ich an exakt derselben Stelle. Doch innerlich bin ich zerstört. Auch die größte Willenskraft hält nicht ewig der Zeit stand. Mein Gefühl sagt immer noch, Es steht da. Aber keiner der vielen Teile meines Verstandes glaubt noch meinem Gefühl. Es ist lächerlich, dass das Tier noch da sein könnte, ruhig und lauernd. Wo selbst ein Mensch die Anspannung des totalen Stillstehens nur mit größter Mühe aushält. Ein Tier, das ich nur für einen Sekundenbruchteil aus dem Meer habe steigen sehen. Ein Tier, das den Geräuschen nach zu urteilen, impulsiv triebgesteuert alles vernichtet hat, was ihm im Weg stand. Niemals kann dasselbe Tier so lange warten. Was ich spüre, ist meine eigene Angst. Umbringen wird mich der Hunger, die Erschöpfung, die Anstrengung, wenn ich nicht endlich meine Angst überwinde und beginne, die Lage zu überblicken.
Jetzt scheint mir meine Angst schon lächerlich. Ich halte mich selbst vom Leben ab, zerstöre mich hier unnötig. Gleich drehe ich mich um, schaue hinter die Säule und werde laut loslachen vor Erleichterung. Noch ein bisschen Mut zusammen nehmen. Es ist soweit.
Ich drehe mich um, schaue hinter die Säule und lache laut los. Hysterisch. Vor Panik! Ich höre Knochen brechen und sterbe.
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